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Google, Brands und die SEO-Szene

boxhandschuhe-klein Es gab zwei Entwicklungen im August, die für einigen Wirbel gesorgt haben. Zum einem wird Google den Schutz von Marken abschaffen und somit die Buchung von Brands ermöglichen.

ACHTUNG: Das deutsche Markenrecht ist damit natürlich nicht hinfällig. Wer also denkt, dass er geschützte Makrenbegriffe verwenden kann um für andere Marken zu werben, sollte gleich einige Rücklagen für seinen Anwalt einstellen!

Markus hat dazu auch einen kurzen Artikel verfasst: Brandeinbuchung für SEM-Affiliates

Für uns SEOs aber erst mal weniger interessant. Jetzt ist aber so, dass Google in der USA angefangen hat, mehr als nur 2 Treffer von einer Domain auf einer SERP anzuzeigen (Google SERP dominated by one domain).  Jetzt wird es vielen SEOs zu bunt. Marco sieht die Änderungen recht kritisch, wohingegen Julian polemisch vom Hass auf Non-Brands Website spricht und auch den Zusammenhang mit den oben erwähnten Brand-Free Bidding zieht.

Für uns Inhouse-SEOs also ein guter Monat ;-) Aber Scherz beiseite. Das Thema mit dem Brand-Bidding sehe ich als die Lösung eines lästigen Problems für Google. Am Ende ist Google immer noch ein Technologieunternehmen. Markennamen zu verwalten und sperren klingt aber doch eher bürokratisch und nach einer Menge Handarbeit. Also nichts mit Algo und so. IMHO wollte Google diesen Job einfach nicht, also weg damit.

imageUnd zum Thema Brand Driven Search Domination (BDSD um auch mal ein Akronym zu prägen ;-))  lesen wir bei SEO by the Sea etwas davon, dass nicht Brand sondern Entities dieses Verhalten auslösen. Also eher Entitie Driven Search Domination (EDSD – wow ich schreibe noch mein eigenes Akronym-Wörterbuch). Wer nicht mehr weiß, was Enities in diesem Zusammenhang sind, den verweise ich auf die MetaWeb-Story vom letzten Monat.

Was passiert also? Google scheint eine Website als Besitzer einer Entität zu identifizieren (Was bei Firmenseiten zu Ihrem Namen korrekt ist und üblich sein sollte) und bei einer Suchanfrage die diese Entität beinhaltet eben dieser Domain mehr Raum in der SERP zu geben. Bill zeigt dieses sehr schön am Beispiel seiner eigenen Seite “SEO by the SEA” – siehe Abbildung Links”

Und wer sich auch nur etwas mit der Klickrate bei solchen Suchanfragen auskennt, wird diese Entscheidung verstehen. Es handelt sich hierbei um spezielle navigationsorientierte Suchanfragen. Wenn ich nach “Zeit Angela Merkel” suche, will ich wahrscheinlich wissen, was die Zeit über Angela Merkel geschrieben hat. Warum also nur 2 Treffer anzeigen? Wo es doch sicher mehr als 2 Artikel zu Angela Merkel bei der Zeit gibt? Und ich gehe auch davon aus, dass Google die CTRs auf seinen SERPs genau misst. Wenn es also solche Änderungen gibt, dann verlieren die armen Affiliate SEOs wahrscheinlich nur Rankings, die nicht wirklich viel Traffic gebracht haben. Wohl dem, der seine Webanalyse im Griff hat uns die Reports auch versteht.

Also, durchatmen und Tee trinken. Wenn Google es bei der einen oder anderen Suchanfrage überzeiht, werden sie es auch wieder etwas zurückdrehen. In Summe denke ich aber, dass diese Neuerung sehr wohl im Sinne der Nutzer ist.

BTW: Wir versuchen uns auch aus SERPs zurückzuziehen, wenn wir aus Positionen über 5 keine gute CTR erzielen. Offensichtlich sind wir dann nicht das Ziel für den Nutzer und wir haben uns beim antizipieren seiner Bedürfnisse schlicht geirrt. In den meisten Fällen stellen wir dann aber auch fest, dass die Suchanfrage eine starke navigationsorientierte Komponente hat. Dann konzentrieren wir uns lieber auf Keywords, zu denen der Nutzer auch zu uns will, weil wir seine Erwartungen erfüllen. Am Ende entscheidet immer der Nutzer und nicht der SEO über den Erfolg!

PS: Ein Beispiel, von dem wir betroffen sind, habe ich auch noch. Transfermarkt liefert jetzt diese Ergebnisse und wir sind unsere schöne Position drei los:

SERP Transfermarkt Und auch wenn wir Traffic verloren haben, hatten wir auf Position Drei nur eine CTR von 1%. Ich kann Google also durchaus verstehen, und ich werde passenderen Ersatz für den überschaubaren Trafficverlust finden.

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10 Responses to Google, Brands und die SEO-Szene

  1. @GG: Das ist keine Firma mit dem Namen sondern eine Website, die sich genau mit dem Thema “Transfermarkt” beschäftigt. Und wenn man an Position drei nur knapp 1% CTR hat, spricht es doch dafür, dass die Seite Transfermarkt eben für das Thema steht. Und ich kann mir gut vorstellen, dass es sich bei einem Großteil der Anfragen um navigationsorientierte Anfragen handelt. Am Ende hat aber nur Google die Daten zum Nutzerverhalten so umfassend, um richtig entscheiden zu können. In diesem konkreten Fall kann ich Google verstehen und die Entscheidung nachvollziehen.

  2. hmm, das Beispiel mit Apple, das ich mal gesehen habe, fand ich ja noch einigermaßen nachvollziehbar, auch wenn ich es trotzdem als ungünstig betrachte, dass praktisch die komplette erste SERP-Seite mit nur einer Domain besetzt ist. Aber gerade das Beispiel mit Transfermarkt finde ich eher erschreckend. Selbst wenn Transfermarkt in D in erster Linie für die Fußball-Bundesliga genutzt wird (keine Ahnung), ist es doch ein generischer Ausdruck, auch wenn es eine Firma mit diesem Namen gibt. Heißt das, dass man dies auch für andere generische Begriffe hinkriegen kann? Was wäre, um mal wieder das immer gerne verwendete Beispiel zu nehmen, wenn man eine Firma mit Namen “Kredit” gründet? “Gehört” einem dann bei entsprechendem Bekanntheitsgrad auch die erste Seite für Kredit?

  3. Ohne, dass ich jetzt darauf rumreiten will.. ;-), aber wenn ich ins Impressum der Seite schaue, steht dort: Transfermarkt GmbH & Co. KG.
    Natürlich beschäftigt sich die Website genau damit. Aber wenn “Transfermarkt” von Google nicht als Marke/Firmenname gesehen wird (was ich eben zunächst vermutete), dann ist die Neuerung ja m.E. noch schlimmer! Um bei meinem Beispiel Kredit zu bleiben: Wenn eine Website zum Suchbegriff “Kredit” nur genug Reputation/Rang/Statistikwerte bei Google hat, kriegt sie dann für dieses rein generische Wort auch die komplette erste SERP-Seite? Statt Kredit kann man sich das natürlich für jeden x-beliebigen generischen Begriff überlegen.
    Das kann m.E. keine richtige und gute Entwicklung sein. Ein weiteres Problem sehe ich darin, wie Google erkennen will, wann die Website ihren Sonderstatus wieder verlieren sollte. Userklicks können das ja fast nicht sein, da auf der ersten Seite ja praktisch keine anderen Klicks möglich sind, außer der Klick auf die 2. Seite, den ja bekanntermaßen so gut wie niemand mehr macht.
    Es wird sich zeigen, in welchen Fällen Google so eine SERP-Beherrschung vergibt und wie die User darauf reagieren.

  4. @GG Transfermarkt.de ist die grösste und aktuellste zugängliche Datenbank für Fußballer. Genau aus diesem Grund ist es nur legitim, dass Google dem Know-How Träger dieser Nische eine entsprechend große Sichtbarkeit einräumt. Schwierig wird es bei generischen Brands wie Müller oder Bauer…

  5. Ich denke, man darf gar nicht allzu theoretisch darüber rätseln, wie das mit “transfermarkt” ist. Schätzungsweise misst Google tatsächlich die CTR einer jeden Position und da der *eigentliche* Sinn dieses Worts eher selten gegoogelt wird (wer sucht denn schon nach einem Fußballspieler für seinen Verein oder einem Basketballer?) haben Ergebnisse der Webseite (unabhängig, ob das eine Firma ist, die so heißt) eine schöne Klickrate. Und wenn dann doch die CTR des dritten Ergebnisses nicht gut ist, testet Google weiter. Gerade jetzt steht “fussballtransfers.com” auf Platz 3 und auf Position fünf eine Nischenseite mit der lustigen Domain “t-online” ;-)

    Google testet (und kann das dank Caffeine offenbar immer besser) und baut dann das ein, was klickt. Unabhängig davon, ob jemand eine Firma gegründet hat.

    Deshalb kann ich Jens nur zustimmen: Am Ende entscheidet der Nutzer über den Erfolg und es ist eine gute Idee, seine Zahlen zu kennen und zu beobachten.

    Und, Jens: Vielen Dank, dass du den Begriff “Brand” mit “Entität” austauschst. Das macht die Zielrichtung klarer. Was mir daran gefällt ist auch, dass ein Brand halt ein Brand ist und man nur darüber rätseln kann, ob das als Marke oder als Domain gesehen werden sollte. Eine Entität beinhaltet aber auch (wenn ich das richtig im Kopf habe) verschiedene mögliche “Eigenschaften” die zugeordnet werden können. Das Keyword “Kredit” ist ein deutliches Money-Keyword, stark umkämpft im SEO-Markt und wird deshalb auch anders funktionieren als ein Keyword “Transfermarkt”, das eher im Bereich “News” als Publisher funktioniert. Ein “Guido Westerwelle” dagegen dürfte solche Eigenschaften wie “Person”, “News” u.s.w. zugeordnet bekommen. Und einen “digitalen Bilderrahmen” will man kaufen – und keine News darüber lesen…
    Und diesen Eigenschaften entsprechend werden dann die SERPs jeweils gebastelt.

    Vergesst also diesen “Wenn das dort so ist, muss das doch dort auch genau so sein”-Kram. Wenn diese Zeiten noch nicht ganz vorbei sind, dann ist das eher ein Bug von Google, an dem gearbeitet wird ;-)

    Ach, und ich wünsch euch ‘n cooles 2011!

    eric

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