In den letzten Tagen gab es drei Posts die sich mehr oder weniger mit dem Thema befassen. Startpunkt der Diskussion war der Post SEO has no future von ShoeMoney. Er geht davon aus, dass Google immer stärker sociale voitings, oder einfach das Nutzerverhalten beim Ranking berücksichtigen wird. Als Beispiele führt er hier die Daten der Google-Toolbar oder Analytics an. Meiner Meinung nach wird Google durchaus versuchen diese Daten zu nutzen, da diese nur schwer vom Publisher beeinflusst werden können. Google ist immer bestrebt, seine Rankingverfahren auf vom Publisher unabhängige Daten zu stützen, da Google dem Publisher erst mal misstraut. Schon der PageRank war eine Rankingmethode die vom eigentlichem Inhalte der Seite unabhängig und damit vom Publisher somit schwerer zu kontrollieren war. Jetzt haben wir zwar alle Methoden gefunden auch damit umzugehen, aber die grundlegende Idee wie Google sich weiterentwickeln wird, ist offensichtlich. Immer wieder wieder Methoden zu finden, die der Publisher nicht so einfach kontrollieren kann (Weswegen Google niemals ein Freund vom semantic Web wird, da die Publisher selbst für die wie auch immer geartete semantische Auszeichnung zuständig sind. Eine Methode also, die der Google-Idee diametral entgegensteht. Und wie der Einsatz von Keywords gezeigt hat, zu recht).
Roy Huiskey hat nun als Reaktion auf ShoeMoney den Post Reactionary vs. Visionary SEO geschrieben. Hier stimmt er der ShoeMoney in seiner Analyse der Situation zu. Einfach ein bisschen Titel optimieren, dann beliebig Links organisieren und fertig wird es wohl in Zukunft nicht mehr geben. Die Zeiten des einfachen SEOs und des schnelles Gelds neigen sich dem Ende zu. Und wer nur den Trends hinterherläuft wird es schwer haben. Wer aber frühzeitig antizipiert kann jetzt schon die Grundlage für zukünftige Plazierungen legen.
Joost antwortet hierzu mit dem Post The difference between being on top of and ahead of your (SEO) game. Auch er sieht große Vorteile darin, sich frühzeitig (z.B. mittels Patentrecherche etc.) über kommende Entwicklungen auf dem laufenden zu halten. Er sieht aber wenig Nutzen darin sozusagen in vorauseilender Gehorsam frühzeitig auf erfolgreiche Methoden zu verzichten.
Was ist nun meine Meinung zu diesem Thema? Als Inhouse-SEO glaube ich natürlich an die Zukunft von SEO. Und obwohl ich fast alle hier geschilderten Meinungen verstehe und auch teile, sehe ich das Thema etwas anders.
Zum einem wird das Leben für MFA-Seiten sicher sehr schwer. Wer mit Webseiten Geld verdienen will, muss diese immer mehr für Nutzer und nicht für Suchmaschinen erstellen. Und auch bezüglich der Monetarisierung wird man sich bessere und nützlichere Konzepte einfallen lassen müssen. IMHO sind aber unter den guten SEOs mit die kreativsten Köpfe wenn es um die Entwicklung guter Webprojekte geht. Wer jetzt und vor allem in Zukunft noch da sein wird, ist sehr gut in den Themen User Centered Design, Communitybuilding, Information Architectur, SMO etc. bewandert, hat schlicht den größeren Zusammenhang im Kopf und kann einfach bessere Seiten bauen, erfolgreicher SMO-Kampagnen realisieren etc. Schlicht er kann Traffic akquirieren und monetarisieren.
Für die etablierte Portale wie uns bedeutet es, dass auch wir uns gezwungenermaßen wesentlich mehr mit unserem Nutzer und weniger mit unserem Brand, CI, Desingvorschriften und interner Politik auseinandersetzen müssen. SEOs haben schon immer verstanden, dass der Nutzer durch seine Suchanfrage erst den ganzen Prozess zum laufen bringt. Und das er mittlerweile auch weiß, dass er bei Google sehr schnell zum Ziel kommt. Wenn mein Webangebot also nicht seinen Erwartungen entspricht, nicht nützlich und hilfreich ist, nicht unterhält oder sonst einen Zweck erfüllt, werde ich keine Nutzer an mich binden, keine Links erhalten, keine Widerhall im Web 2.0 erzeugen, schlicht nicht stattfinden. Und da hilft auch kein Kompromiss. Google bedient zuerst seine Nutzer, und die erwarten die beste Seite zu Ihrer Anfrage zu finden. Wer also langfristig gut gefunden werden will muss schlicht das Ziel haben, die beste Seite zum Thema zu sein. Ohne Schnörkel, ohne Ausrede und ohne Entschuldigung. Und nur, wer diesen Willen hat, die richtigen Themen besetzt und sich durchsetzen kann, wird hier dauerhaft erfolgreich sein.
Und hier sehe ich die große Zukunft im Bereich SEO. SEOs mussten schon immer den Nutzer und seine Suchanfragen in das Zentrum ihrer Strategien setzen. Und wenn wir jetzt intern dafür sorgen, dass Inhalte besser vernetzt, Navigationen verständlicher und Überschriften klarer sind als vorher, sorgen wir schlicht dafür, dass unsere Seiten für den Nutzer besser verständlich sind. Und wenn wir unsere Angebote themenrelevant verlinken sorgen wir für eine direkte Zuführung von für unsere Themen relevante Nutzer. Und da unsere Seite jetzt besser ist als vorher, und gleichzeitig mehr Nutzer auf sich zieht, wird Google sich auch besser Ranken. Nutzer glücklich, Google glücklich, alle glücklich: SEO is the future!
Wie ist Eure Meinung dazu? Wie sieht die deutsche SEO-Scene das Thema?
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