Grund für diesen Post ist der Artikel von Hanns Kronenberg zum Thema Deeplink Ratio als Qualitätssignal. Und “Grund” ist auch irgendwie falsch ausgedrückt, da der Post sehr gut ist. Er ist vielmehr der Anlass über etwas zu schreiben, was mich schon länger beschäftigt.
Ein weiterer Grund ist, dass zwei meine Studenten erfolgreich ihren Master gemacht haben und auf Jobsuche waren. Auch dabei ist mir einiges aufgefallen.
Aber auf was will denn der Fauldrath jetzt raus? Mir geht es um das Thema Qualität. Und das Beispiel mit der Linkbewerungsliste welches Hanns aufgegriffen hat, zeigt das Problem sehr gut. SEO ist ein Marketinginstrument. Und wie das Wort Optimierung schon ausdrückt, optimiere ich auf ein Ziel. Dieses Ziel muss sich von der Unternehmensstrategie ableiten, die sich in der Marketingstrategie niederschlägt etc. Der Hang Listen zu veröffentlichen und einfache HowTos ist teilweise gefährlich. Wir, die die Themen verstehen, können solche Liste interpretieren und anwenden (und auch neue Ideen daraus ableiten, man lernt ja gerne dazu). Fachfremde aber werden dazu gebracht ein für sie falsches Vorgehen festzulegen, nur um Ende nichts zu erreichen.
Nach der Aufregung werden wir aber mal etwas konkreter. Sehr gut hat es Laura in Ihrem Post Bestimme Deine Zielgruppe und Ihre Bedürfnisse beschrieben. Wenn ich anfange Titel und URLs zu optimieren oder wie blöde Links aufzubauen ohne mich mit der Website an sich zu beschäftigen, werde ich bestenfalls Traffickosten generieren, bestimmt aber kein, aber wirklich überhaupt kein Ziel erreichen. Ich arbeite schlicht ziellos. Und somit optimiere ich nicht sonder produziere einfach nur kosten.
Bevor ich also Anfange SEO zu betreiben, muss ich die Ziele der Website verstehen. Folgende Fragen sollten dabei zumindest geklärt werden:
- Welchen Zweck hat die Website?
- Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?
- Welche Inhalte / Produkte / Features soll die Website beinhalten?
- Was soll der Nutzer machen, wie konvertieren?
- Wer ist die Konkurrenz?
Wenn diese Fragen geklärt sind, wendet man sich der Contentstrategie zu. Hier legt man fest, welche Inhalte angeboten werden. Und auf Basis der Keywordrecherche muss geprüft werden, ob man auch alle nachgefragten Inhalte abdeckt oder ob man seine Contentstrategie erweitern muss.
Kommen wir jetzt zum konkreten Fall der Linkbuildingliste. Diese empfiehlt eine 50% Quote für Startseitenlinks. Und genau hier liegt das Problem. Ob ich viele Deeplinks benötige oder auch bekomme hängt eben von meiner Strategie ab (in den Kommentaren des Artikels hat Astrid das Beispiel der News-Sites gebracht, die natürlich einen wesentlich höheren Anteil an Deeplinks aufweisen sollten.
Randnotiz: Da Mario zu den Besten da draußen gehört, kann man seine Liste gut als Aufhänger für die Kritik nutzen. Sein Status ist unbestritten. Und wer Website Boosting nicht abonniert hat, ist selbst schuld!
Auf was ich hinaus will ist, dass SEO komplex ist. Und Komplexität kann man nicht vereinfachen. Komplex sind Systeme, die aufgrund der Wechselwirkung in ihrem Verhalten nicht vorhergesagt werden können. Wir können immer nur Tendenzen vorhersagen. Und da sind starre Vorgaben einfach fehl am Platz. Das Einzige was in komplexen Situationen hilft ist eben die klare Zieldefinition gepaart mit methodisch sauberen Vorgehen
Zieldefinition –> Maßnahmen & erhoffte Erfolge definieren –> Veränderung Messen –> Feuen über den Erfolg oder lernen und besser werden ;-)
Leider aber wird in unserer Branche sehr viel mit Listen und Vorgaben gearbeitet., Programme wie IBP und Andere bewerten Seiten nach starren Regeln. Da kann nur Stuss rauskommen. Und wenn einige Agenturen Gehälter zahlen, die sich um 25k – 30k bewegen, kann da leider auch nicht viel sinnvolles rauskommen. Sicher, die Mitarbeiter werden auch wieder sauber ihre Listen abarbeiten und lustige Reports versenden. Aber leider werden die richtigen Fragen nicht gestellt, der Markt nicht evaluiert und die Angebote des Kunden nicht einem Benchmark unterzogen (Ausnahmen wird es natürlich geben, die werden aber nicht lange auf diesem Gehalt bleiben).
Auch wir nutzen Guides. Diese bestehen aber aus Fragen, nicht aus Vorgaben. Und wir interpretieren und diskutieren die Ergebnisse immer noch mal im Team. Das ich dabei regelmäßig von meinen Mitarbeitern auf neue Ideen gebracht werden, dass wir neue Lösungen und Wege finden oder auch mal komplett neue Produkte oder neue Features definieren und umsetzen ist eher die Regel als die Ausnahme. Da zahle ich gerne mehr und vor allem will ich nur Mitarbeiter, die in der Lage sind bessere Lösungen als ich zu finden. Nicht immer, aber bitte dann, wenn ich sie übersehe.
Unser Hirn ist hochkomplex. Und nur mit unserem Hirn, unseren Erfahrungen und unserer Kreativität werden wir die optimale Lösung findet. Lasst Euch nicht von Listen einschränken! Legt niemals Euer Hirn beiseite! Und vertraut keinem Experten, nicht mal mir!!!
Und immer daran denke, if you pay peanuts you get monkeys. Gilt für komische Software und günstige Agenturen.
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