Suchmaschinen & SEO – Juli 2009

So, wieder ein Monat rum und ich bin kaum dazu gekommen einen sinnvollen Artikel zu posten. Zumindest der Monatsrückblick zwingt mich aber zurück an die Tastatur. Und ich hoffe weiterhin auf den ruhigen Sommer, den mir mein Arbeitgeber bei meinem Einstellungsgespräch avisiert hatte ;-)

Jetzt aber zu den Ereignissen im letztem Monat.

Yahoo! bingt

Man kann auch sagen, Yahoo! gibt sich selbst auf. Search ist sicher eine Kernkompetenz, Amazon ist eher eine Suchanwendung denn ein Shop im klassischem Sinn. Microsoft investiert massiv in diesem Bereich und über Google muss man nicht viel sagen. Und wer wirklich große Websites baut weiß, dass Suchtechnologie einem einen wesentlich flexibleren Umgang mit den eigenen Inhalten erlaubt als es klassische hierarchisch organisierte CMS können. Und Yahoo! steigt hier aus der technologischen Entwicklung aus und setzt zukünftig auf Bing auf.

Mir scheint es so etwas wie der Anfang vom Ende zu sein. Positiv ist hier allerdings, dass sich mit Bing wohl endlich mal eine Suche etabliert, die doch einige Nutzer hat. Und auch die Zusammenlegung der Werbenetze kann durchaus interessant werden.

Mehr dazu findet sich bei German Cowboys, JoJo, Uwe dem tagSeoBlog und der (Online)Presse des Vertrauens.

Auswirkung des Linkgeiz

Gretus hat einen Auswertung des Authority-Ranks bekannter deutscher Blogs vorgenommen, die Zeigt wie schädlich sich Linkgeiz auf die Blogs auswirkt. Mein Standpunkt ist hier sehr einfach. Der Sinn von HTML ist es, Links zu setzen. Erst so entsteht ein Netzt. Ohne Links habe ich einfach nur Text.

Links führen meine Nutzer zu ergänzenden Inhalten, zu Quellen oder zu Applikationen. Wenn ich also über etwas schreibe, sollte ich die Quelle nennen und verlinken. Einzige Ausnahme ist ein negatives Beispiel, dass bekommt auch von mir dann ein nofollow.

Ich kenne das Problem mit der nicht gerne gesehenen Verlinkung beruflich. Ich setze mich aber immer für eine Verlinkung externer Quellen ein. Erst so wird mein eigenes Angebot rund und komplett. In diesem Sinn, einfach wieder verlinken und auch Anderen mal was gönnen.

Seitenlayout und SEO

Hier gibt es bei SEO by the Sea diesen Monat einen Artikel zum Thema What Automatic Segmentation of Webpages Might Mean to Design and SEO.

In diesem Artikel wird auf zwei Patente (Microsoft und Yahoo!) eingegangen, die sich damit befassen Seiten in funktionale Teile (z.B. Navigation, Werbung, Content) zu zerlegen und so gezielter den Inhaltsbereich zu erkennen und diesen dann höher zu gewichten.

Der Artikel geht hier auch auf die Probleme ein, die sich für eine Websuchmaschine ergeben. Sicher sollte man sich bewusst sein, dass Google & Co. versuchen Inhalt von Informationsrauschen zu trennen. Und wie immer, wer es den Suchmaschinen hier einfach macht, hat einen Vorteil

Ladezeit und SEO

Auch hierzu gibt es einen sehr guten Artikel von SEO by the Sea: Does Page Load Time influence SEO?. Hier wird erst einmal darauf eingegangen, dass die Latenzzeit  kaum geeignet ist um die Geschwindigkeit einer Seite beurteilen zu können. Für Nutzer ist die Zeit entscheidend, die vergeht bis er eine Seite nutzen kann. Und dass schließt offensichtlich auch das Rendern der Seite mit ein. Weniger offensichtlich sind aber auch anderen Faktoren. Ein verwirrende Seitengestaltung kann die Zeit bis zur Nutzung der Seite ebenso beeinflussen wie die Einbindung von Pop-Ups und anderem Mist den der Nutzer erst beseitigen muss bevor er die Seite nutzen kann.

Auch wird hier gut erklärt, dass die Ladezeit ein Qualitätsfaktor ist. Ähnlich dem PageRank sagt die Ladezeit nur etwas über die Qualität der Seite aus, nicht über die Relevanz. Da Suchmaschinen aber relevante und qualitativ hochwertige Seiten finden wollen, sind eben Qualitätskriterien  auch sehr wichtige Rankingfaktoren.

Ob und wie Suchmaschinen Ladezeiten ermitteln wird allerdings nicht beantwortet. Dennoch ist der Artikel sehr interessant und die aufgeworfenen Fragen sollte man sich für seine eigenen Webangebote beantworten. Schlechter können die eigenen Angebote dadurch nicht werden.

Quelle und SEO

Wer den Schaden hat und so… Dennoch ist Quelle im Internet schon bezeichnet für viele deutsche Shops. Torsten hat deswegen einen SEO-Blick auf Quelle geworfen. Da ich leider auch einige Berührungspunkte mit Intershop habe, kenne ich die Kritikpunkte leider nur zu gut.

Quelle ist hier aber in sehr guter Gesellschaft. Auch Baur, Otto, Neckermann und Co. sind SEO-technisch ein Trauerspiel.

versandhäuser-seo-sichtbarkeit

Selbst der “Shootingstar” Baur verwendet Session-Ids in der URL, die er nur für den Googlebot entfernt. Wenn ein Nutzer aber einen Link auf eine Kategorie setzt, hat er eine URL mit Session-ID. Dank Cannonical-Tag hat man aber zumindest dieses Problem im Griff, was unter Umständen den Anstieg erklären könnte. Zeigen doch erstmals Externe und interne Links auf die selbe Seite…

Dennoch rollen sich einem bei über 200 Navigationslinks pro Seite, einer nur mäßigen horizontalen Verlinkung und eines wirklich grauenhaften HTML-Code die Fußnägel hoch.

Und welches Potential man hier liegen lässt, zeigt ein vergleich mit Amazon sehr gut:

versandhäuser-vs-amazon seo-sichtbarkeit

Sicher ist der Vergleich nicht wirklich fair. Dennoch sollten die Produktpaletten nicht um den selben Faktor kleiner sein als die Sichtbarkeit in Google suggeriert. Unsere deutschen Versender sind da dann doch eher die Null-Linie.

Und was ist das Problem an dieser Stelle. Ganz einfach, SEO wird als Optimierung eines bestehenden Systems begriffen. Wenn aber das System ansich schon nicht kompetitiv ist, kann auch der zuständige SEO nur die Trafficreste einsammeln. Und Amazon hat eben verstanden, dass Verkaufen über das Netz mehr ist also Produkte zu katalogisieren. Amazon ist schnell, hat extrem viel Content (dank der Rezensionen), und eine produktzentrierte horizontale Navigation. Sprich, Amazon verfügt über die bessere Informationsarchitektur, mehr Content und und und.

Kurzum, SEO hat eine hohe strategische Komponente. Wer seine Systeme schon nicht in Frage stellt, wird immer weit hinter seinen Möglichkeiten bleiben. Und hier reden wir sicher über höhere siebenstellige Besucherzahlen pro Monat. Für einen Versandhändler sicher nicht uninteressant.

Und bitte, wenn die zuständigen SEOs dieses lesen. Das ist keine Kritik an Eurer Arbeit. Die kenne ich ja nicht wirklich Und das Problem zwischen der Erkenntnis und der Umsetzung in größeren Firmen ist mir selbst ja nicht unbekannt. In diesem Sinn macht Ihr bestimmt im Rahmen Eurer Möglichkeiten einen guten Job!

Dank an dieser Stelle an Sistrix für die wunderbaren Toolbox. Wer sie noch nicht hat, sollte sie sich holen ;-)

Sonstiges

SEO Snake Oil: Oder wie sich Gerüchte in der SEO-Scene verbreiten…

OnPage Score Sheet: Gut für kleine Seiten. Gefährlich bei Großen.

Der SEO-Witz: Man ich bin unterbezahlt….

Rand über die Zukunft von SEO (via Astrid): Dem habe ich nichts hinzuzufügen

Breadcrumbs in der Google-SERP: Habe noch keine gesehen und müsste über die Vor und Nachteile erst mal nachdenken…



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Mehr zum Thema bei Inhouse-SEO:

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schade, das mus doch nicht sein oder?

Hallo Daniel,

ich müsste hier wohl sehr ausführlich werden um alle Probelme von Intershop zu beschreiben. Kurz mal sprechende URLs einzuführen ist kein SEO. Ich sehe, dass sich hier bemüht wird, besser zu werden. Dennoch sind Websites auf Basis von Intershop Enfinity für einen SEO schon eine wirklich sehr große Herausforderung. Und die hier gezeigte mangelhafte Performance zeigt dieses auch schon sehr schön.

Sicherlich ist hier aber nicht ein Faktor alleine verantwortlich. Hier kommen Konzernstrukturen und große Softwarepakete zusammen die dann zu einem suboptimalen Ergebnis führen. Oft wird erst mal das gemacht was geht und dann das was der Betreiber der Seite will und irgendwann merkt man, dass Entscheidungsprozesse im Internet nicht 100%ig mit den bekannten Mustern übereinstimmen.

Jetzt hat man aber ein gewachsenes System eines großen Herstellers in einer nicht ganz neues und leider aus sehr angepassten Version. Das Systemhaus ruft extrem hohe Preise für Änderungen auf und der Websitebetreiber merkt so langsam, dass man intern Know-How benötigt um hier nicht den Kostentot zu sterben.

So oder so ähnlich laufen die Entwicklungen. Ob die hier betrachteten Unternehmen solche Probleme haben oder die neueste Version von Intershop einsetzen kann ich nicht sagen. Das Intershop aber nicht zur Speerspitze von Suchmaschinenoptimierung gehört ist hinlänglich bekannt. Das man aber aus Inhtershop auch mehr rausholen kann, ist sicher auch klar. Ist ja nur Software und am Ende vom Tag sind die meisten SEO-Probleme organisatorischer Natur.

Wenn ich aber wählen kann, nehme ich dennoch lieber kein Intershop Enfinity, Sorry. Aber wie Du schon selbst festgestellt hast vertrete ich hier die reine SEO-Sicht. Ein richtiger Auswahlprozess oder eine echte Produktempfehlung ist diese sehr verkürzte Sicht nicht.

Deswegen bitte auch an allen anderen Leser: SEO-tauglichkeit ist ein Kriterium, aber bestimmt nicht das Kriterium zur Auswahl einer Software. Und auch ein sehr gut zu optimierendes System benötigt eine Menge SEO-Know-How um am Ende gut gefunden zu werden. Die Navigationsstruktur, die Texte, das Linkbuilding und alles weitere wird am Ende von Euch gemacht. Diese Tätigkeit kann man nicht an eine Software delegieren. Bzw. man kann es schon, es bringt einen nur nicht weiter.

P.S. Die Links zu Euren Produkten habe ich entfernt, ich denke diese findet man auch über Eure Homepage: http://www.intershop.de/

Da ich leider auch einige Berührungspunkte mit Intershop habe, kenne ich die Kritikpunkte leider nur zu gut.

Hallo Jens,

ich lese Dein Blog sehr gern, weil das meiste, was Du so schreibst, fundiert und praxisnah ist. Deshalb bin ich etwas enttäuscht, daß Du mit einem einzigen unqualifizierten Satz Intershop Enfinity als SEO-untauglich abkanzelst, zumal in den Kommentaren zu Torsten Maues Artikel bereits ein wesentlich differenzierteres Bild gezeichnet wurde.

Ich bin gerade nicht darüber informiert, welche Enfinity-Version in eurem Hause eingesetzt wird, kann Dir aber versichern, daß zumindest in den jüngeren Releases kaum ein SEO-Feature fehlt. Dazu zählen neben dem obligatorischen URL Rewriting u.a. Funktionen zur Erstellung von HTML- und XML-Sitemaps und zum Link Sculpting. Und daß sich mit der Arbeit am HTML-Quelltext eine Menge SEO-Möglichkeiten eröffnen, die ganz und gar unabhängig von der eingesetzten Software sind, muß ich wohl ohnehin nicht erwähnen.

Aber unser Ansatz geht selbstverständlich weit über bloßen SEO-Aktivismus und das Repetieren der üblichen Buzzwords hinaus. Unsere Kunden sind in der Regel große Versandhäuser und Online-Händler mit starker Marktdurchdringung, bei denen SEO-Maßnahmen sicher wichtig, aber eben nicht allesentscheidend sind. Mindestens ebenso viel Bedeutung messen wir den Themen SEM und Performance Marketing bei. Aus Umsatzsicht ist es unseren Kunden wichtig, ordentliche Kampagnen fahren zu können, diese sauber auszuwerten und möglichst automatisiert zu optimieren. Mittlerweile bieten wir eine Reihe von Tools an (z.B. die Feed Engine zum automatisierten Produktdatenmarketing oder den Bid Manager zum Verwalten und Optimieren von SEM-Kampagnen), die deutlich umsatzrelevanter sind als alle – bei manchen unserer Kunden leider tatsächlich nicht voll ausgeschöpften – SEO-Möglichkeiten.

Also, der Fairness halber solltest Du schon konkret erwähnen, welche Probleme Du mit Enfinity hast und wie viel davon eher auf die bekannten Schwierigkeiten großer Unternehmen zurückzuführen sind als auf eine mangelhafte Software.

Daniel

freut mich, dass es gefallen hat. Und zur Ladezeit kann ich nur zustimmen. Am Ende will ich ja Kunden gewinnen und nicht einfach nur gut ranken. Und da ist es mir am Ende auch recht egal, ob Google wirklich die Ladezeit berücksichtigt. Mit langsammen Seiten bekomme ich weniger Kunden. Mehr muss man am Ende ja nicht wissen ;-)

Hi Jens,

ich hab' mich auch vor Kurzem intensiver mit den Ladezeiten beschäftigt. Auf den ersten Blick scheinen YSlow und PageSpeed ähnliche Kriterien zu verwenden, da wir durch Verbesserungen auch bei beiden Tools bessere Ergebnisse erzielten.

Google-Matt meinte vor kurzem, dass die Ladezeit (noch) keinen direkten Einfluss aufs organic ranking hat, allerdings stimme ich dir voll zu, dass es für einen Nutzer eigentlich ab dann interessant ist wenn er die Seite sieht - also dass die Seite schnell sich- und verwendbar ist. Ob unten noch irgendein Script lädt ist eigentlich gar nicht so wichtig, aber ersteres senkt definitiv die Absprungrate und das ist zumindest für uns beide (ich bin auch In-House) schon mal sehr wichtig - oh und für den SEM Qualitätsfaktor ist eine schnelle Seite auch nicht schlecht. ;)

Danke für den informativen Post! Vor allem der Teil den Teil mit Quelle / Intershop fand ich persönlich sehr interessant.

Manuel

Da frage ich mich, ob Amazon deswegen so gut ist, weil sie unendlich viele Links durch ihr Partnerprogramm haben? Google zählt diese. Ich müsste jetzt die Quelle raussuchen, aber die Argumentation ist, dass diese meist aus editoriellen Inhalten kommen. Bei dieser Übermacht würde es mich nicht wundern ;-)